Die Gründung des Turnerbundes Ottenau

Im Jahr 1886 hegte die Ottenauer Jugend den Wunsch einen Turnerbund zu gründen. Da hierzu Männer nötig waren, die diesen Verein leiteten und führten, beschlossen im Oktober 1886 elf Ottenauer die Jugendlichen zu unterstützen und stellten einen Antrag an den „wohllöblichen Gemeinderat Ottenau“. Der Zweck des zu gründenden Vereins wurde wie folgt beschrieben: „Die Stärkung des Körpers und des Geistes, die Förderung der Sittlichkeit, verbunden mit regem vaterländischem Sinn, um so für den einzelnen Kraft und Wohlsein und für das Ganze Macht und Größe zu erstreben“. Nur drei Tage später bekamen die Ottenauer vom Badischen Großherzoglichen Bezirksamt Rastatt die Genehmigung mit zwei Einschränkungen: Die Befreiung von der Polizeistunde wurde nicht genehmigt und für etwaige Beschädigungen an den Turngeräten sollte eine zahlungsfähige Person für die Haftbarkeit schriftlich benannt werden. Den Turnplatz und die Gerätschaften wollte der Turnerbund von der Schuljugend leihweise zur Verfügung gestellt bekommen.

Nachdem bei der Gründung die Satzung des Oberrheinischen Turnerbundes angenommen worden war, beschäftigten sich die Mitglieder bei der Generalversammlung im August 1889 mit der ersten Herausgabe einer eigenen Vereinssatzung. Zu der damaligen Zeit wurden selbst die Übungsstunden in der Satzung fest verankert. Darüber hinaus wurde überlegt, eine Vereinsfahne anzuschaffen und eigens dafür eine Fahnenkasse anzulegen. Der Turnverein Baden-Baden hatte von diesem Vorhaben erfahren und Ottenau angeboten, seine alte Fahne zur Verfügung zu stellen, bis sich der TB Ottenau eine Eigene leisten konnte.

Die Mitgliederzahl wuchs ständig an und so hatte der Verein 1893 bei einer Einwohnerzahl von 1300 Ottenauer Bürgern schon 71 Mitglieder. Mitglied konnte man damals nur werden, wenn die Generalversammlung dafür die Genehmigung aussprach. Am 16. Mai 1897 konnten die Ottenauer Turner auf dem damaligen Festplatz bei der Ölmühle die Weihe ihrer ersten eigenen Vereinsfahne feiern. Die zur Verfügung gestellte Fahne vom TV Baden-Baden wurde leihweise an den TB Selbach weitergegeben.

Historie

Der Turnerbund Ottenau gehörte damals dem Badischen Turngau an, aus dem er jedoch durch ein Missverständnis im Jahr 1899 austrat. Schon lange hatte sich der Wunsch nach einem Turngau Murgtal geregt, der dann mit anderen umliegenden Vereinen am 13. Mai 1900 in Bischweier gegründet wurde. Bei dieser Gründung wurde Friedrich Wende vom TB Ottenau zum 2. Gauturnwart gewählt. Zur damaligen Zeit wurden in Ottenau monatlich zwischen drei und vier Turnratsitzungen abgehalten sowie jährlich vier Generalversammlungen. Interessant ist die Tatsache, dass schon damals für Aktive, die an einem Turnfest teilnahmen, Zuschüsse gewährt wurden. Am 6. März 1904 ging bei der Generalversammlung ein Antrag ein, Mitte Juli eine offizielle Einweihung der ersten neu gebauten Turnhalle abzuhalten. Der Wortlaut weiter: „Der Gauturnwart soll verfügt werden, uns zu dieser Einweihung die Genehmigung zu erteilen, ein kleines Kreisturnen unter den Turnerinnen abhalten zu dürfen.“ Die Einweihung und das Kreisturnen wurden zwar abgehalten, aber die Damen bekamen keine Genehmigung, daran teilzunehmen.

Wann zum ersten Mal Damen in Ottenau geturnt haben, geht aus den Protokollbüchern nicht hervor (wahrscheinlich erst nach dem 1. Weltkrieg). Nur der Begründer des Frauenturnens ist bekannt, es handelte sich um Herrn Josef Kraft. Im Jahr 1912 wurde das Angebot im TBO um die erste Faustballmannschaft und das Volksturnen (Vorreiter der heutigen Leichtathletik) erweitert. Der erste Turn – und Spielplatz wurde auf Grundstücken auf der „Sau-Au“ (in der Gegend des heutigen Sportplatzes) gepachtet. Auch während des 1. Weltkrieges konnte der TB Ottenau weitere Mitglieder gewinnen.

Am 2. Februar 1916 wurde das Protokollbuch allerdings für drei Jahre geschlossen. Im ersten Eintrag nach Kriegsende im Januar 1919 gedachte man zuerst der gefallenen Mitglieder und das Vereinsleben wurde wieder aufgenommen. 1920 zählte der Verein schon 150 Mitglieder und es wurde die erste Schülermannschaft gegründet. Ein Schülerbarren wurde von der Firma Sebastian Fütterer in Gaggenau gespendet. 1923 wurde das Gauvolksturnfest zum ersten Mal in Ottenau ausgerichtet.

Bei der damaligen Inflation kosteten die Eintrittskarten 100.000 und das Bankett 20.000 Mark. 1932 begann eine außerordentliche Erfolgsserie der Leichtathleten. Jakob Scheuring kam nach Ottenau und wurde 1933 das erste Mal Kreismeister, worauf noch viele weitere Meistertitel folgten. 1939 sollten in Ottenau zum dritten Mal Leichtathletik-wettkämpfe ausgerichtet werden. Dank der guten Verbindung zu anderen Sportverbänden gaben die gesamten Badischen Spitzensportler ihre Meldungen für dieses Fest ab. Über 300 Einzelmeldungen waren eingegangen, doch der unselige Krieg verhinderte die Veranstaltung. Am 27. August, am Tag der geplanten Wettkämpfe, wurden ca. 60 Männer, unter ihnen die besten Athleten vom TB Ottenau, zur Wehrmacht einberufen. Fast ein Jahrzehnt lang wurde das Protokollbuch des TB geschlossen.

Die Daheimgebliebenen hatten ihre Kameraden aber nicht vergessen und schickten Heimatbriefe und Päckchen an die Front. Nach dem Krieg wurde das Turnen von der Besatzungsmacht verboten, doch die Ottenauer wussten sich zu helfen und gründeten zusammen mit dem Fußballverein im Jahr 1946 einen sogenannten „allgemein sporttreibenden Verein“, woraus die heutige Sportvereinigung Ottenau hervorging. Die Bestimmungen lockerten sich und das Turnen wurde 1948 von der Verbotsliste gestrichen. Im darauffolgenden Jahr konnten die ersten Turngeräte neu angeschafft werden. 1955 wurde die Sportvereinigung beim Amtsgericht in Rastatt als Verein eingetragen. Zur besseren Bearbeitung reiner Turnerangelegen-heiten wurde im selben Jahr ein Turnausschuss gebildet.

Turnfeste in alten Zeiten

Friedrich Ludwig Jahn eröffnete im Jahre 1811 die Reihe der Turnfeste mit einem Schauturnen in Berlin. „Turnvater Jahn“ tat kund, dies solle ein Fest werden, welches die Jugend aus allen Gauen des Vaterlandes zusammenführt, um im edlen Wettkampf ihre Kraft zu zeigen. Bis 1818 fanden diese Jahnschen Turnfeste regelmäßig statt, bis schließlich von 1819-1841 die deutsche Turnbewegung verboten wurde. Im Jahr 1841 fand das erste freie Turnfest in Frankfurt am Main statt. Ab dem Jahr 1860 fanden, zuerst in unregelmäßigen Abständen, die Deutschen Turnfeste, die Höhepunkte der Deutschen Turnbewegung, statt. Ab 1898 wurden sie dann regelmäßig alle fünf Jahre ausgerichtet. Damals nahmen an diesen Turnfesten schon mehrere tausend Turner teil. Großgruppenvorführungen und Vereinsturnen wurden zu Magneten für die Zuschauer.

1889 besuchte der TB Ottenau sein erstes Deutsches Turnfest in München mit 20.000 anderen Turnern. Beim Deutschen Turnfest 1894 in Breslau wirkten bei den Schauvorführungen zum ersten Mal Damen mit (was eigentlich zu dieser Zeit nicht erlaubt war), worauf es zu einem handfesten Skandal kam. Vier Jahre später gab es 1898 in Hamburg den 1. Damenriegenwettkampf. Die Turnfeste waren für die Vereinsmitglieder etwas Besonderes, da dies oft die einzige Möglichkeit war, über die Heimatgrenze hinweg neue Städte und Menschen kennenzulernen.

Außerdem waren es sportliche Ereignisse mit überliefertem Zeremoniell, bei denen die Ottenauer schon zu der damaligen Zeit mehrfache Auszeichnungen für ihre Vorführungen erhielten. Weiterhin waren die Turnfeste auch Volksfeste mit vielfältigen Beschäftigungs-, Vergnügungs- und Erholungsmöglichkeiten. Für die Ottenauer war die Heimkehr nach dem Besuch eines Turnfestes immer ein Spektakel. Sie wurden mit dem Musikverein am Bahnhof begrüßt und mit einem kleinen Festzug durch den Ort nach Hause begleitet.

Bei der Organisation des Gauvolksturnfestes 1923 mit über 300 Teilnehmern konnten die Ottenauer selbst erleben, wie viel Kraft und Zeit es kostet, aber natürlich auch wie viel Freude es bereitet, solch ein Ereignis auszurichten.

Sportstätten

Nach jahrelangem Übungsbetrieb im Straußgarten stellte der TB Ottenau im Jahr 1899 an die Gemeindeverwaltung einen Antrag, sie möge einen Platz zur Verfügung stellen, auf dem eine Halle erstellt werden könnte. Der Antrag wurde angenommen, doch die finanzielle Belastung konnte damals zunächst nicht geschultert werden. 1903 gab die Vereinswirtin endlich die Zusage für einen Hallenbau neben dem „Gasthaus zum Strauß“. Die erste Turnhalle konnte nunmehr gebaut werden und wurde am 4. April 1904 mit einem großen Fest eingeweiht. Sie wurde bis zum Beginn des 2. Weltkrieges stark belegt.

1928 wurde der im Krieg zerstörte Sportplatz gemeinsam mit dem Fußballverein wieder aufgebaut. Der Trainingsbetrieb der Turner wurde zu dieser Zeit auch dort abgehalten, da die Turnhalle sehr baufällig geworden war.

Schließlich fand man 1948 im Sternensaal eine Ausweichstätte. Allerdings war die Hallendecke für das Hochreckturnen zu niedrig. Dieses Problem wurde jedoch bald behoben und es entstand in Eigenarbeit ein Deckenschacht, der das Turnen am „Königsgerät“ schließlich möglich machte.

1955 war es nach sieben weiteren Jahren endlich soweit: Die Merkurhalle konnte als Turn- und Versammlungshalle gebaut werden. Schon damals war es nötig, dass die Bürger kräftig mit anpackten.
1956
konnte die Merkurhalle nach einjähriger Bauzeit ihrer Bestimmung übergeben werden.

In der Merkurhalle kam es bald zu Termin und Belegungsschwierigkeiten. 1971 waren die Turnerinnen und Turner dann aber froh und dankbar, als die Stadt Gaggenau eine neue Sporthalle baute.
Doch diese Halle entpuppte sich bald als Pfuschbau. Jede Menge Mängel und Unfertigkeiten konnten auch durch einen Um- bzw. Reparaturbau nicht behoben werden. Nach vielen Besprechungen, Besichtigungen und finanziellen Auswertungen wurde von Seiten der Gemeinde beschlossen, einen Neubau der dringend notwendigen Sporthalle für die Merkurschule und die Abteilungen der Sportvereinigung zu errichten.

Während der Bauzeit gestaltete sich der Trainingsbetrieb als äußerst schwierig und die Turnerinnen und Turner mussten in die Merkurhalle und in die Hallen befreundeter Vereine ausweichen. Umso größer war die Freude, als die neue Sporthalle im November 1992 fertig gestellt und mit einem großen Fest vor über 500 Zuschauern eingeweiht wurde. Im Juli 2003 erhielt die Halle den Namen des erfolgreichsten Ottenauer Sportlers, Jakob Scheuring.