Turnfeste früher

Friedrich Ludwig Jahn eröffnete im Jahre 1811 die Reihe der Turnfeste mit einem Schauturnen in Berlin. "Turnvater Jahn" tat kund, dies solle ein Fest werden, welches die Jugend aus allen Gauen des Vaterlandes zusammenführt, um im edlen Wettkampf ihre Kraft zu zeigen. Bis 1818 fanden diese Jahnschen Turnfeste regelmäßig statt, bis schließlich von 1819-1841 die deutsche Turnbewegung verboten wurde. Im Jahr 1841 fand das erste freie Turnfest in Frankfurt am Main statt. Ab dem Jahr 1860 fanden, zuerst in unregelmäßigen Abständen, die Deutschen Turnfeste, die Höhepunkte der Deutschen Turnbewegung, statt. Ab 1898 wurden sie dann regelmäßig alle fünf Jahre ausgerichtet. Damals nahmen an diesen Turnfesten schon mehrere tausend Turner teil. Großgruppenvorführungen und Vereinsturnen wurden zu Magneten für die Zuschauer.

1889 besuchte der TB Ottenau sein erstes Deutsches Turnfest in München mit 20.000 anderen Turnern. Beim Deutschen Turnfest 1894 in Breslau wirkten bei den Schauvorführungen zum ersten Mal Damen mit (was eigentlich zu dieser Zeit nicht erlaubt war), worauf es zu einem handfesten Skandal kam. Vier Jahre später gab es 1898 in Hamburg den 1. Damenriegenwettkampf. Die Turnfeste waren für die Vereinsmitglieder etwas Besonderes, da dies oft die einzige Möglichkeit war, über die Heimatgrenze hinweg neue Städte und Menschen kennenzulernen.

Außerdem waren es sportliche Ereignisse mit überliefertem Zeremoniell, bei denen die Ottenauer schon zu der damaligen Zeit mehrfache Auszeichnungen für ihre Vorführungen erhielten. Weiterhin waren die Turnfeste auch Volksfeste mit vielfältigen Beschäftigungs-, Vergnügungs- und Erholungsmöglichkeiten. Für die Ottenauer war die Heimkehr nach dem Besuch eines Turnfestes immer ein Spektakel. Sie wurden mit dem Musikverein am Bahnhof begrüßt und mit einem kleinen Festzug durch den Ort nach Hause begleitet.

Bei der Organisation des Gauvolksturnfestes 1923 mit über 300 Teilnehmern konnten die Ottenauer selbst erleben, wie viel Kraft und Zeit es kostet, aber natürlich auch wie viel Freude es bereitet, solch ein Ereignis auszurichten.